Mehr Schulsozialarbeit für Borchen – Warum wir nicht locker lassen

Die SPD Borchen setzt sich gemeinsam mit den Freien Wählern seit Langem für eine Stärkung der Schulsozialarbeit in unserer Gemeinde ein. Unser Antrag, die Schulsozialarbeit an den Borchener Schulen um eine halbe Stelle aufzustocken und nicht voll besetzte Stellen zu füllen, wurde am 20.01.2026 im Ausschuss für Schule, Kultur, Jugend und Sport jedoch von CDU, Bündnis 90/Die Grünen und AfD abgelehnt.

Diese Entscheidung enttäuscht uns! Vor allem mit Blick auf die Kinder, Jugendlichen und Familien in Borchen.

Der Bedarf ist offensichtlich

In der Ausschusssitzung vom 25.11.2025 wurde deutlich: Die Herausforderungen für Kinder und Jugendliche wachsen stetig. Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter berichten von zunehmenden Belastungen, sei es durch mediale Einflüsse, soziale Unsicherheiten oder familiäre Problemlagen.

Auch aus der Praxis wurde der Bedarf klar benannt: Für jede Schule sei perspektivisch eine eigene Stelle notwendig. Selbst wir als SPD, die die angespannte Haushaltslage nicht ausblenden, haben bewusst eine maßvolle Erweiterung vorgeschlagen, als ersten, verantwortungsvollen Schritt.

Vertrauen braucht Verlässlichkeit

CDU und Grüne argumentierten, man könne stattdessen prüfen, ob Fördermittel oder befristete Kräfte, etwa Praktikantinnen, Studierende oder Anerkennungsjahrgänge, eingesetzt werden könnten.

Doch Schulsozialarbeit ist Vertrauensarbeit. Kinder öffnen sich nicht beliebig wechselnden Ansprechpartnern. Familien brauchen langfristige Bezugspersonen. Befristete Lösungen schaffen Unsicherheit, sowohl für die Beschäftigten als auch für die Betroffenen.

Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen in Nordrhein-Westfalen unterstreichen die Notwendigkeit verlässlicher Strukturen. Schulsozialarbeit ist keine beliebige Zusatzleistung, sondern bewegt sich im Schnittfeld von Schule und Jugendhilfe. Grundlage sind insbesondere das Achte Buch Sozialgesetzbuch (SGB VIII – Kinder- und Jugendhilfe) sowie das Schulgesetz NRW.

Nach § 13a SGB VIII (Jugendsozialarbeit) sollen junge Menschen mit sozialen Benachteiligungen oder individuellen Beeinträchtigungen gefördert und in ihrer schulischen und beruflichen Entwicklung unterstützt werden. Diese Aufgabe ist ausdrücklich auf Kontinuität, individuelle Begleitung und Integration angelegt – also gerade nicht auf kurzfristige oder projektbezogene Einsätze.

Zugleich verpflichtet das Schulgesetz NRW die Schulträger im Rahmen ihrer Verantwortung für eine funktionsfähige Schule, geeignete Unterstützungsstrukturen vorzuhalten. Schulsozialarbeit ist dabei ein etabliertes Instrument, um Bildungs- und Teilhabechancen zu sichern, Konflikte frühzeitig aufzufangen und das Kindeswohl zu stärken. Auch das Kinder- und Jugendfördergesetz NRW betont die Bedeutung präventiver, kontinuierlicher Angebote für junge Menschen.

Wer diese gesetzlichen Aufgaben ernst nimmt, kann sich nicht dauerhaft auf befristete Programme oder wechselndes Personal stützen. Prävention, Vertrauensaufbau und Kinderschutz benötigen institutionelle Verlässlichkeit und dauerhaft abgesicherte Fachstellen.

Zusätzlich konkretisiert das Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen im Runderlass zur „Beschäftigung von Fachkräften für Schulsozialarbeit“ die fachlichen Anforderungen und Rahmenbedingungen. Dort wird klargestellt, dass Schulsozialarbeit durch qualifizierte sozialpädagogische Fachkräfte wahrzunehmen ist und als eigenständiges professionelles Handlungsfeld ausgestaltet wird. Die Aufgabenbeschreibung umfasst u. a. Beratung, Einzelfallhilfe, sozialpädagogische Gruppenangebote, Krisenintervention sowie die Kooperation mit Jugendhilfe und anderen Institutionen. Diese Aufgaben setzen Fachlichkeit, Kontinuität und verlässliche Zuständigkeiten voraus – sie sind nicht auf kurzfristige oder rein projektbezogene Einsätze angelegt.

Wenn selbst das Land NRW die Tätigkeit klar als fachlich anspruchsvolle, kontinuierliche sozialpädagogische Arbeit definiert, wird deutlich: Schulsozialarbeit darf nicht auf wechselnde, befristete Unterstützungsformate reduziert werden. Wer Qualität sichern will, muss auch strukturelle Verlässlichkeit schaffen.

Praktikantinnen, Studierende oder Anerkennungsjahrgänge können wertvolle Ergänzungen sein – aber sie ersetzen keine dauerhaft verankerten Fachstellen. Gerade in sensiblen Bereichen wie Krisenintervention, Konfliktbearbeitung oder Kinderschutz braucht es Kontinuität, Erfahrung und institutionelle Verlässlichkeit.

Förderprogramme können ergänzen. Sie können aber keine solide, langfristige Struktur ersetzen.

Investitionen in Kinder sind keine freiwillige Kür

Mit Verweis auf die angespannte Haushaltslage wurde die Aufstockung abgelehnt. Wir halten das für ein falsches Signal.

Gerade in schwierigen Zeiten muss klar priorisiert werden: Investitionen in Kinder und Jugendliche sind keine beliebigen „freiwilligen Leistungen“, sondern Zukunftssicherung. Wer heute bei Prävention und Unterstützung spart, zahlt morgen womöglich deutlich höhere soziale Folgekosten. Ein Argument, das selbst aus Reihen anderer Fraktionen anerkannt wurde.

Zugleich sehen wir sehr wohl Einsparpotenziale an anderer Stelle, etwa bei der geplanten Neumöblierung des Rathaussaals. Für uns ist klar: Die Zukunft unserer Kinder muss Vorrang haben.

Borchen wächst – die Verantwortung wächst mit

Borchen wächst. Neue Baugebiete entstehen, junge Familien ziehen zu. Wer Borchen attraktiv für Familien halten will, muss in Bildung und soziale Unterstützung investieren.

Schulsozialarbeit ist ein zentraler Baustein für Chancengerechtigkeit, Integration und ein gutes Miteinander. Sie entlastet Lehrkräfte, unterstützt Eltern und hilft Kindern, schwierige Situationen zu bewältigen, bevor sie eskalieren.

Wir bleiben dran

Dass unsere Pressemeldung in der Lokalpresse bislang keine Berücksichtigung gefunden hat, macht deutlich: Wir müssen dieses Thema noch stärker in die Öffentlichkeit tragen.

Denn es betrifft nicht nur politische Gremien, es betrifft jede Familie mit Kindern an Borchener Schulen.

Wir als SPD Borchen werden nicht locker lassen. Wir werden weiterhin dafür eintreten, dass Schulsozialarbeit in Borchen die Unterstützung erhält, die sie braucht. Für unsere Kinder. Für unsere Familien. Für die Zukunft unserer Gemeinde.

Unsere Pressemeldung vom 20.01.2026: